Schlagwort: Zukunft

Folge 60 – Habe ich einen Trittbrettfahrer?

Dieses Mal geht es um das Podcamp, meine daraus resultierende temporäre Lebenskrise und was für eine Erkenntnis ich daraus genommen habe.

Ansonsten habe ich endlich die offizielle Zusage für eine WG bekommen und wiederum eine Folge mit Gregor von Nerd und Krempel aufgenommen.

 

Und der Käsekeller(Feed) mit dem fabelhaften Daniel ist wirklich hörenswert!

Folge 53 – Ach du charmantes Lissabon

Diese Folge ist auf Berndeutsch

Ich nehme euch mit als ich wie ein Hamster im Laufrad schnaufe und einer der kleineren Hügel in Lissabon erklimme und über die Auswirkung meiner Reise auf mein Leben sinniere. Wie ich gemerkt habe, dass ich mir einen nicht kreativen Vollzeitbürojob nicht mehr vorstellen kann und wie mir das Erstellen von Medienprodukte so wichtig geworden ist und ich daher auf jeden Fall einen kreativen Job nach dem Studium haben will. Desweiteren flirte ich sehr mit der Idee teilweise von unterwegs arbeiten zu können um auch weiterhin solche Reisen unternehmen zu können.

Ich spreche nochmal über meine Zulassung, auf die ich immer noch warte, was mich naturgemäß hippelig macht und was ich so alles in Lissabon gemacht habe und wie sehr ich es bereue, mir dafür nicht mehr Zeit eingeplant zu haben.

Mein Rucksack und ich

Vor ein paar Tagen habe ich realisiert das mein Rucksack und ich eine Einheit sind.

Ich dachte über meinen Besitz nach und schaute auf mein Rucksack und dachte: „Das ist also alles was ich besitze?“ bis es mir nach einigen Sekunden dämmerte dass ich natürlich zuhause noch viele andere Dinge habe.
Als ich vor ein paar Wochen in USA war und im Flughafen von Palm Springs auf meinen Flug gewartet habe und mir einen Kaffee bei Starbucks holte, begrüsste mich die ältere Dame hinter Theke freundlich mit „Hi Girl, who looks like she has her hole life on her back.“ Ich musste ein wenig schmunzeln, habe es aber innerlich abgetan. Natürlich hatte ich nicht mein ganzes Leben auf meinem Rücken. Doch vor ein paar Tagen störte mich der Gedanken im Gegensatz wie vor ein paar Wochen überhaupt nicht mehr. Und wenn es so wäre? Das in meinem Rucksack alles wäre was ich besitze? Wäre das so schlimm?
Mein Rucksack und ich sind schon so sehr verwachsen, dass er mittlerweile im Café auf dem Stuhl gegenüber mir sitzt. Obwohl Rucksäcke so viel komfortabler und unkomplizierter als Koffer sein können, sobald sie auf dem Boden stehen wird es einfach nur noch mühsam. Also sitzt mein Rucksack – sie trägt den Namen Eva – auf dem Stuhl gegenüber mir. Das muss ein komisches Bild von aussen abgeben aber mich stört es nicht mehr. Weil mein Rucksack ist ja auch mein konstanter und treuer Begleiter auf meinen Reisen und hat somit einen Platz am Tisch verdient.

Dieser Wandel von Mensch und Rucksack zu Mensch mit Rucksack kam erst in den letzten Wochen. Ich denke ich war in Teneriffa als ich realisierte, dass mir dieses längere Reisen plötzlich als normal erscheint. Ich bin so sehr in diesem Rhythmus des Reisens, dass es für mich schon wieder Alltag ist. Dieser Gedanke „Es ist nur ein Urlaub, danach kommt wieder die Arbeit“ rückte in den Hintergrund. Zu sehr habe ich meinem Rhythmus mit Schreiben, Podcasten und Spazieren gefunden. Zu sehr geniesse ich diese Freiheit mich an einen Strand zu begeben und auf einem Felsen meine Podcast aufzunehmen oder wie jetzt auf einer Parkbank in Lissabon zu sitzen und diesen Text zu schreiben.

Doch was heisst das für meine Zukunft? Wenn dieses Gefühl da ist, dass ich das öfters machen will und mich der Gedanke an eine 50-Stunden-Woche und sechs Wochen Jahresurlaub in einer Agentur erschaudern lässt?

Es gibt es ja dieses Phänomen „Digital Nomad“; all diese jüngeren Menschen, die durch Südostasien reisen und von ihren Social Media Kanäle und digitaler Arbeit leben. Ich habe schon vor einiger Zeit das für mich entdeckt und folge so manchen Menschen online, der von seinem Leben berichtet. Der Gedanke aber an sich es 365 Tage rumzureisen fand ich immer zu radikal und in sich zu abschreckend.
Das hat sich an sich nicht fundamental geändert, aber hat eben diese Reisen und das Zusammenwachsen mit meinem Rucksack bewiesen, dass für mich ein klassischen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis für mich auch nicht mehr in Frage kommt. Da kann man noch mit einer verglasten Agentur mit Jura-Maschinen auf jeder Etage kommen und mit einer Sommer- und Winterfest, die Vorstellung die ganze Zeit in einem Büro zu sein ist für mich mittlerweile ein Gefühl des eingesperrt zu sein.

In meiner optimalen Vorstellung kann ich zwischen Projekten und Anstellungen meinen Rucksack nehmen und einfach von unterwegs arbeiten. Ich hätte dann immer noch ein Zuhause vermutlich in Deutschland (die Digital Nomad nennen das homebase), ein co-operativer Arbeitsplatz (also ein Studio oder Atelier mit jemand anderen Gleichgesinnten) und könnte zwischen dem Arbeiten von unterwegs und dem Arbeiten vor Ort wechseln. Wenn ich etwas während meinen Reisen realisiert habe, dass ich mich noch viel zu jung fühle um irgendeine Art und Weise sesshaft zu werden und meine erste Hypothek aufzunehmen und mir meine erste Makenwaschmaschine zu kaufen.

Darauf läuft ja auch unsere Arbeitsmentalität heraus: immer wie mehr entstehen Jobs und Möglichkeiten seine Arbeit eben nicht mehr fest von einem Büro, sondern von zuhause oder unterwegs auszuüben. Gerade in der Medienbrache ist das keine Ausnahme mehr sondern viel mehr die Regel, dass eine Anwesenheit vor Ort nicht dauerhaft notwendig ist. Mitspielen muss letztendlich der Arbeitgeber oder man ist von vornerein selbständig.

Was bedeutet das nun für mich? Ich stehe ja gerade mal Anfang meines Studiums, aber eben nicht am Anfang meines Lebens. Ich habe bis jetzt immer in einem klassischen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis gearbeitet und hatte meine vier bis sechs Wochen Jahresurlaub. Doch das ist für mich nicht mehr attraktiv, weil ich war im Genuss von einem geregelten Alltag und damit auch einem geregelten Einkommen und das ist bei allen Problemen und Schwierigekeiten, die ich unterwegs erlebe, einfach nicht gleichwertig wie dieses Gefühl heute auf dieser Parkbank in Lissabon. Dieses unglaubliche Gefühl von Freiheit – und einer wärmenden Sonne im Januar – und nicht in einem sterilen Büro in einem anonymen Hochhaus mit tausend Angestellten zu sein. Es ist wie ein modernes Cowboydasein; statt mit Pferd und Sattel ist der Digital Nomad mit Laptop und Rucksack unterwegs immer auf der Suche nach Arbeit und Abenteuer.

 

Ich wusste immer das diese Reisen in den USA und in Europa prägen wird, was ich aber erst jetzt realisiere ist, wie sehr es meine bestehenen Ahnungen zu Gewissheit macht. Das ist so prägend, dass ich mich frage warum ich es denn überhaupt versuchen soll einer dieser tausend Angestellten zu sein, wenn dieses Leben für mich keine Zukunftsperspektive hat. Das erfordert Mut und ein größeres Risiko als ein reguläres Arbeitsverhältnis und das schreckt sicherlich viele ab. Ich für meinen Teil sage ich mir immer selbst, wenn ich Zweifel kriege ob ich dieses Risiko nehmen soll, dass ich dann auch gleich hätte in der Bibliothek weiter arbeiten können. Was nützt es mir auf dem halben Weg plötzlich kalte Füsse zu kriegen und auf sicher zu spielen? Simpel: gar nichts.
Wenn ich wirklich mal dieses Gefühl haben sollte wieder sesshaft zu werden mit einem geregelten Alltag und Einkommen dann kann ich das immer noch mit 40 tun. Als eine Frau ohne Heirats- und Familienpläne ist das nämlich durchaus realistisch und für eine Vertreterin der Generation Y quasi ein normaler Lebenswandel.

Müde Tage (seit über drei Wochen unterwegs)

Heute ist so ein Tag, da bin ich ein a little under the weather.

Oder vielleicht eher unter meiner cloud of misery.

Ich bin aufgewacht und der erste Schock, als mich mein Ex-Freund fragte ob ich auf seine Kreditkarte was bei Airbnb gebucht habe. Was ich hatte, wenn auch total im Versehen. Ich hatte nicht mitgekriegt, dass seine Kreditkarte noch in meinem Profil gespeichert war.

Leider hatte er zudem Zeitpunkt schon Airbnb kontaktiert und faselte was von „hoffentlich kriegen sie dich nicht dran wegen Kreditkartenbetrug.“ Puls auf 250. Ich machte mir zwar weniger Gedanken wegen rechtlichen Konsequenzen – das war einfach nur ein Versehen und ich hab ihm den Betrag zurücküberwiesen – sondern eher dass sie mir meinen Account sperren. Und meine Reservierung flöten geht, die ich gerade noch so gekriegt habe. Eine kleine Wohnung für mich alleine, ganze fünf Tage in Santa Cruz in Teneriffa. Für billige 25 Euro die Nacht, das ist zwar eigentlich zuviel für mein Spanienbudget aber wars mir wert. Weil die ersten fünf Nächte übernachte ich in einem gemischten Sechserschlafsaal in einem Hostel in einem Dorf in Südteneriffa. Da habe ich zwar sicherlich meine Ruhe – und paar schnarchende Männer im Raum – aber das wollte ich mir nicht ganze zehn Tage antun. Da aber Januar die Hauptsaison in Teneriffa ist, war das mit Alternativen gar nicht so leicht zu finden und ich war so dankbar als ich das Airbnb gekriegt habe. Ich kann an dieser Stelle aber Entwarnung geben, es hat sich alles wieder geklärt.

Also eifrig Netbook hervorgeholt, erstmal das Geld überweisen wollen an den Ex, dabei rausgefunden dass ich wohl schon seit einige Tagen kein Netz mehr hatte. Also Smartphone ein und ausgewählt aus dem Mobilnetz und plötzlich hatte ich einen Schwung an SMS und auch einen Anruf auf der Mailbox. Dann erstmal da angerufen, Mailboxgeheimnummer war falsch. Neue zugeschickt bekommen, die erstmal falsch eingegeben. Nochmal aufgehängt, nochmal angerufen. Rausgefunden das die Nachricht mich schon per E-Mail hatte, pff alles okay.

Diese ganze Aktion hat mir genau 4 Euro verbraten. Und ich dachte ich käme mal umso ne ganze Aktion rum, aber gut deswegen hatte ich ja das Guthabena aufgehalten. Ich darf also wieder mal dankbar sein für Prepaid. An diesem Zeitpunkt dachte ich dann, gut du hast schon alles hervorgekramt, dann buchen wir doch mal den Flug zurück von Spanien nach Düsseldorf. Geguckt, einen preiswerten Flug ab Malaga gefunden und dann erstmal bei der RheinMain Fachhochschule in Wiesbaden nochmal die Einschreibungstermine nachgeschaut – und ja, die haben die einfach von Ende Februar auf 9. Feburar geschoben!

Das ist an sich nicht schlimm, weil ich Gott sei Dank noch keine feste Pläne nach Teneriffa habe ausser die zwei Nächte in Madrid Mitte Januar, der Rest ist ja absichtlich noch nicht gebucht. Für mich bedeutet das jetzt nur letztendlich, dass ich halt flexibler sein muss. Ergo wenn die Bestätigung halt dann da ist – ich denke mal so Ende Januar, Anfang Februar – dann muss ich halt ziemlich schnell einen Flug buchen und meinen Arsch nach Wiesbaden bringen. Und zwischenzeitlich halt alle Orginaledokumente wie das Abitur mit mir durch Spanien tragen. Eigentlich alles machbar.

Das sah leider das Paniktier in mir anders.

Und so geht es geht mir halt manchmal. Gerade in den letzten Tage merke ich wie meine anfängliche Flexibilität – zufälligerweise spielt Spotify gerade „Caledonia“ um Janes Willen ich fange gleich an zu heulen – langsam schwindet und mit einer Reisemüdigkeit ersetzt wird.

Ich habe zwar immer noch dieses Schuldgefühl: du bist doch jetzt hier, entdecke das jetzt, mache was Produktives, Fotos, Fotos, Fotos! Aber was nützt mir das wenn ich mental abschalte? Nichts. Ich stresse mich, zwinge mich zu was und dann?

Ich habe mich letztendlich gezwungen nach draußen zu gehen, was auch notwendig war. Das Hostelbett ist in einem engen dunklen Raum, das tut mir nicht gut wenn mein Tag schon so anfängt. Also raus, den Hollywoodboulevard entlang, da schnell wieder runter weil es gibt mir einfach zuviele Verrückte dort und die alle so offensiv amerikanisch sind. Jetzt bin ich mit meinem Metrotagesticket nach Santa Monica gefahren und hier habe ich das erste Mal meine – nennen wir es „Dinerscheu“ – überwunden und bin in ein richtiges Diner gegangen und hatte ein Grilled Sandwich mit Fritten und Kaffee. Und ja, das hat es so sehr gebraucht. Aah, plötzlich ging es mir ein bisschen besser. Zwar nicht wesentlich wacher, aber ich nehme mal an es hat irgendwelche Belohnungszellen in meinem Hirn aktiviert.

Mittlerweile bin ich in das nächstgelegene Starbucks gezogen und schreibe gerade an diesem Text. Ich will gar nicht wissen wie oft ich hier in den USA im Starbucks war. Zuooft, aber zum Schreiben und zum Podcast schneiden sind so Kaffeehäuser einfach die beste Alternative. Zudem hat Starbucks auch echt passabels Wlan. Und über solche Tage zu schreiben hilft mir immens.

Aber um es auf den Punkt zu bringen: solche Tage gibt es. Das ist nun mal so und ich muss mich eben von diesem Gedanken lösen, dass ich nonstop zu funktionieren habe. Vielleicht ist ein Reisekoller, ein USAkoller – ich weiß es nicht genau. Es ist vermutlich Beides in einem. Ich merke auch dass jetzt nach fast drei Wochen USA es langsam echt genug ist. Meine Toleranz mitten in der Straße angesprochen zu werden, mit zu kriegen wie sie sich hier gegenseitig anmotzen – die ist einfach wieder gegen Null. Diese ewige „How are you?“ ohne dass man das wirklich wissen will wie es einem geht. Ich weiß viele nehmen das als oberflächlich wahr. Ich denke nicht dass es das ist; es ist halt einfach die amerikanische Mentalität und Verständnis von Höflichkeit.

Ich bin aber so europäisch, dass ich einfach da nicht reinpasse. Aber das hat mich schon irgendwo geheilt von diesem Gedanken dieses große Land namens USA und seinen Möglichkeiten gesehen zu haben um zu wissen, dass ich hierhin einfach nicht passe.

Es war sicherlich schön mal keinen Winter zu erleben und vermutlich mehr Vitamin D getankt zu haben als den ganzen Sommer in Deutschland durch, aber trotzdem. Ich bin dankbar dem Land am nächsten Montag den Rücken zuzudrehen.

Es ist wirklich nicht schlimm, dass ich mich nun früher meinen Hintern zurück nach Deutschland verfrachten muss im Februar um in Wiesbaden einzuschreiben. In meinen ruhigen, rationalen Momenten weiss ich auch, dass ich es schaffe es in diesen Studiengang zu kommen trotz dem NC. Das es alles distanziert und sachlich gesehen durchaus möglich ist, sogar sehr gut möglich ist. Nur habe ich dieses kleine Monster – oder ist es eher eine kopflose Henne? – in mir dass in solchen Momenten einfach durchkommt und Radau macht.

Es ist sogar soweit so gut, dass ich mit meiner verfrühten Rückkehr einen Grund habe doch noch ausführlich nach England und vor allem Nordengland/Schottland zu gehen. Damit wären wir wieder bei Caledonia. Was ich vermisse ich diese kleine Land mit seinen grassgrünen sanften Hügeln, die mich an schlafende Riesen erinnern, dem Scheisswetter dass ich selbst so gar nicht scheisse finde, den besten Sandwiches der Welt und überhaupt – dieser Akzent!

Es wird zwar gerade in Schottland im Februar / Anfang März übelstes kaltes Regenwettter sein, aber was solls. Ich bin tatsächlich in einem so schlimmen Zustand der Anglophilie, dass es mir tatsächlich egal ist. Dass ich so vieles tun würde um einfach dorthin zu reisen und es auch massiv romantisiere in diesem Text. Obwohl meine Liebe durchaus echt ist. Nicht sehr rational, aber durchaus echt und von Herzen.

Das ist auch der Grund warum ich bei Lieder Caledonia auch schon mal spontan einen Heulkrampf kriege. Aber das habe ich schon mal bekommen als ich eines Tages die halbleere Tetleypackung gefunden habe und ich über so wenig Tee doch übermässig emotional wurde. Ich bin mittlerweile so häufig in Grossbrittanien wie ich in der Schweiz bin. Und ja, ich fühle ich mich sogar ein bisschen schlecht dabei, es ist aber leider wahr. Meine Familie wird es nur zu gern bestätigen.

Ich schließe aber diesen überlangen Blogeintrag. Ich muss aufhören Caledonia in Dauerschleife zu hören – ich verlinke es euch aber – weil es wird nun doch arg melodramatisch. Gut, das sind wir wiederum von mir wohl langsam gewöhnt. Ach verdammt, wann ist es nochmal Zeit für die guten Vorsätze?

 

Folge 38 – Das Studium und die Zukunft

Wie vorab schon angekündigt widmet sich diese Folge dem Ganzen was nach diesen drei (resp vier) Monate passieren wird. Meine weitere Zukunft und wo und was ich studiere werde und worum es mich aus NRW rausführt.

Für alle Interessierte der besagte Studiengang “Media in Conception and Production” findet  ihr hier goo.gl/bqOiYk

Abiturent zu sein

Während ich das schreibe befinde ich mich gerade in meinem üblichen postklausuralen Loch.
Das ist anders als das Januarloch nicht ein finanzielles, sondern durchaus ein mentales Loch. Die ganze Erschöpfung wenn man alle Klausuren geschrieben hat, in meinem Falle kamen noch zwei Referate und einen Test hinzu, und du weißt egal was du jetzt verbockt hast, jetzt kannst du es sowieso nicht mehr ändern.

Und dann setzt die Demotivation, die ewige Fragen nach dem Warum ein und ich sitze da und verkrieche mich zuhause und will eigentlich niemand sehen und sprechen.

Nicht dass die Demotivation nicht sowieso ein Dauerzustand ist, wenn es um das Abitur geht. Ich hoffe ja, da es sich tatsächlich nur noch um wenige Wochen bis zu den Prüfungen handelt, dass der Wille zu Lernen wieder einsetzt, aber ich weiß ebenso dass dies ziemlich illusorisch ist. Aber lasst mich das ganze Zeugs mal von Vorne aufrollen.

Falls jemand nicht meinen alten Podcast über das ganze Thema Schule gehört haben sollte – wenn jemand möchte ihr findet ihn hier – könnte sich wundern, dass ich immer noch zur Schule gehe.

Nur ist es nicht „immer noch“ sondern „wieder.“ Ich versuche es mal kurz zu fassen: ich habe eine Ausbildung zur Bibliotheksangestellte in der Schweiz gemacht, bin drei Tage nachdem ich meine Ausbildungsprüfung bestanden hatte mit Sack und Pack alleine nach Essen gezogen und habe dort in einer Musikbibliothek angefangen zu arbeiten. Da war ich allerdings wegen verschiedenen Faktoren nicht glücklich und habe angefangen mich umzusehen nach einer anderen Stelle. Das ist allerdings im Bibliothekssektor nicht so einfach zudem wollte ich halt sicher sein, dass ich nicht von der Regen in die Traufe wechsle. Nach zweieinhalb Jahr konnte ich wechseln auf eine Stelle in Mittelfranken in eine Stadtbücherei, wo ich ziemlich eine große Verantwortung inne hatte, weil ich alleine die Kinder- und Jugendabteilung leiten durfte. Auch wenn mir der Job dort eigentlich Spaß gemacht hat – es gibt durchaus Schlimmeres als in seiner Arbeitszeit Bilderbücher zu lesen – ich wurde ich da überraschenderweise in der Probezeit gefeuert. Ich habe den genauen Grund nie erfahren, allerdings wäre es auch gelogen zu sagen, dass ich nicht irgendwo froh war, weil mir auch schon zu der Zeit allzu schmerzhaft bewusst war, dass ich in dem Beruf nicht glücklich werden würde. Er erfüllte mich nicht und lässt die wichtigste Seite an mir fast vollends aus: meine sprudelnde Kreativität und Affinität zum Organisieren. Ich liebe es zu planen, Lösungen für Probleme zu finden, Dinge zu realisieren. Eher im Größeren als im Kleineren, ich bin Niemand der stundenlang an Kleinigkeit arbeiten kann. Das spiegelt sich nicht zuletzt darin nieder, dass ich nicht mal einen Knopf annähen kann. Aber zurück zum Thema.
Mir war damals schon klar, dass ich wohl das Abitur machen würde um zu studieren und auch damals war es für mich klar, dass ich all die Kreativität und Organisation mit meinem liebsten Hobby verbinden will: dem bewegten Bild und der Fiktion. Hierbei das Geständnis, ich schreibe Geschichte seit ich zwölf Jahre alt bin.

Allerdings konnte ich mich nicht einfach hinstellen und sagen „Ich bin jetzt Filmproduzentin!“ schon mal weil mein Aufenthaltsstatus das nicht erlaubt hat. Ich musste die ersten fünf Jahren ein selbständiges Einkommen haben von dem ich mich ernähren musste ohne irgendeine Vergünstigung zu haben. Und ich meine wirklich keine, weder Bafög noch Wohnungsgeld noch sonst was. Da bot es sich an nebenbei das Abitur zu machen, was ich sowieso irgendwann hätte machen wollen – einfach weil es sich so anbot, von wegen später studieren und so. Es hat sich schnell mal heraus kristallisiert, dass es in Bayern so nicht funktionieren würde wegen der Ermangelung von Abendgymnasien und so bin ich wieder in NRW gelandet. Eigentlich war es ein Wunder, dass mich meine jetzige Schule überhaupt aufgenommen hat, weil nach offizieller Rechtsprechung hätte ich eigentlich noch die Mittlere Reife erstmals nachholen müssen – die ich allerdings schon hatte, aber der liebe deutsche Staat nicht anerkennt hat. Ja, kein Witz. In der Schweiz gibt es nur neun verpflichtende Schuljahre, alles danach ist Gymnasium oder eine andere freiwillige weiterführende Schule. Für den deutschen Staat ist aber neun Jahr gleich Hauptschulabschluss, was inhaltlich unterrichtet wurde ist irrelevant. Gerettet hat mich dann meine Ausbildung und ich durfte respektive darf das Ganze in drei statt vier Jahren machen. Zuerst war ich noch im regulären Vormittagskurs um nach einem Semester in den Abi Online Bereich zu wechseln, weil es arbeitstechnisch nicht anders ging bspw mich wollte niemand einstellen, solange ich nicht im Abi Online Bereich war und so bin ich zwangsweise freiwillig dorthin. Abi Online ist wie das Abendgymnasium, aber statt an vier Abenden nur an zwei und der Rest muss man zuhause selbst aufholen mit Hilfe Hausaufgaben und einer Onlineplattform.

So. Jetzt habe ich ein wenig weiter ausholen müssen, als ich dachte aber gut. Ich schwöre ich werde nach diesem Blogeintrag euch damit nie mehr belästigen, jetzt steht die ganze Geschichte ja Schwarz auf Weiß in meinem Blog.

Jetzt bin ich jedenfalls in den letzten Wochen meines dritten und letzten Schuljahr. Mitte März hört die reguläre Schule auf, im April schreiben wir unsere schriftliche Prüfungen und im Mai ist die mündliche Prüfung geplant. Und was halte ich nun von dem deutschen Abitur und dem deutschen Schulwesen des zweiten Bildungsweg?

Soll ich das jetzt ernsthaft ehrlich sein?

Es kotzt an. Es ist furchtbar. Das ganze Konzept „Abi Online“ funktioniert bei uns nicht im Geringsten und so was überhaupt Online zu nennen ist der größte Witz an sich. Ich weiß es gibt das Abi Online an unserer Schule schon seit ein paar Jahren, aber ich habe immer noch das Gefühl ein Versuchskaninchen der ersten Generation zu sein. Das spiegelt sich im Unterricht, in manchen Lehrer und auch der Plattform wieder. Ich finde das summiert es ganz gut zusammen, wenn ich hier nicht eine ellenlange Beschwerdeliste machen will. Und das will ich sicherlich nicht. Natürlich kann man sagen, dass ich nicht die motivierteste Schülerin bin und diese ganze Abi Online Sache eigentlich auch nicht so mein Ding ist, aber der Schuh lasse ich mir nicht alleine anziehen. Wie auch immer, ich schleppe mich wie wohl jeder anderer Schüler vor dem Abitur jetzt noch durch die die letzten Wochen und vermutlich auch durch die Prüfungen. Ich blicke zwar gerade auf meine Abi Lernboxen während ich diesen Blogeintrag schreibe und sie blicken mich bedrohlich zurück. Der Wille sie aufzumachen und den Stoff zu wiederholen finde ich allerdings nicht. Ich mache dieses Abitur jetzt fertig, damit ich es fertig gemacht habe und sagen kann, ich habe es und gut ist. Für mich ist klar, dass ich nicht in einem klassischen NC Fach studieren will, sondern im besten Falle Film- und Fernsehproduktion an der Filmuni studieren will. Wenn ich das nicht schaffe, dann erreiche ich mein Ziel auch anders auch ohne Uni oder FH. Das ist gerade ein Feld, da führen tatsächlich 1000 Wege nach Rom. Ich habe andere in meiner Klasse die wollen Maschinenbau, Ingenieurwissenschaften oder Erziehungswissenschaften studieren, die haben viel den höheren Druck einen guten NC zu erreichen. Ich hingegen…mach das jetzt und gut ist. Würde ich es wieder tun? Ich weiß es nicht und das zeigt schon sehr, wie furchtbar es für mich ist und war. Oder anders gesagt, ich habe in diesen letzten drei Jahren nie mehr fester gelernt, dass ich nicht einen „normalen“ Job haben will, sondern einfach meinen Traum folgen will und Schicht im Schacht. Gibt es nicht mehr zu verhandeln, ich bin jetzt 26 Jahre alt, ich habe schon eine Ausbildung in einem normalen Job, vier verschiedene normale Bürojobs, das Kapitel normaler Job, regelmäßiges Einkommen, sichere Zukunftsperspektive ist für mich abgefrühstückt. Ebenso der regulären Abschlüssen wie etwa das Abitur. Aber das Gute ist ja, sollte ich irgendwann richtig auf meine Fresse falle, ich habe es ja dann und kann es auch noch mit 40 benutzen um zu studieren.

Natürlich bin ich ein wenig aufgeregt – positiv wie negativ – wenn ich darüber nachdenke was nach dem Abitur kommt. In meinem Falle erst mal ein halbes Jahr Praktikum, dass ich brauche um mich an der Filmuni zu bewerben. Das ich aber auch selbst brauche, weil ich war wohl noch nie so schulmüde wie gerade jetzt. Ich wusste die letzten drei Jahre wo mein Weg ist und jetzt trete ich aus dieser Blase wieder heraus und muss wieder vermehrt kurzfristig denken, aber das geht wohl jedem so. Ich halte mich da streng an das Motto „Einen Schritt nach dem anderen“ und das ich keine Probleme lösen muss und kann, die noch nicht mal aktuell sind.

Wenn ich allerdings etwas als sehr positiv vermerken kann über meine Schulzeit, dann ist es meine Abi Online Klasse. Wir sind alle schon ein wenig älter – ich bin glaub noch einer der Jüngeren – und wissen alle warum wir das tun oder besser gesagt sind nicht aus lauter Langweile auf dieser Schule. Wir reiten auch alle auf der ähnlichen Wellenlänge und es ist nie wichtiger Verbündete zu haben, gerade wenn die Schule nun wirklich nicht das Gelbe vom Ei ist. Da habe ich ein gutes Los gezogen und ich denke ich habe die letzten drei Jahren oft auch nur überlebt, weil ich immer Leute an meiner Seite hatte, die sowohl mit mir lachen wie auch mich unterstützen konnten.

Und bevor ich jetzt total in die Sentimentalität abdrifte, schließe ich das Thema wieder. Glaubt mir, ihr werdet noch genug mich über das Thema Schule und Abitur jammern hören, noch ist es ja nicht überstanden. Leider.